Um die Aufenthaltsqualität auf dem Platz zu verbessern und damit auch die Innenstadt Ost attraktiv weiterzuentwickeln, war es ein Anliegen des KIT und der Stadt Karlsruhe, den entsprechenden Bedarf an Möblierung und Beschattung durch einen kreativen und innovativen Ansatz im Rahmen eines Forschungsprojekts am KIT zu lösen. Als Resultat entstand komorebi*.
Herausforderung: Ein heißer Platz ohne Schatten
Mit dem TRIANGEL Transfer | Kultur | Raum wurde in der Innenstadt von Karlsruhe in unmittelbarer Nähe des KIT Campus Süd am Kronenplatz ein lebendiger Begegnungsort und ein Schaufenster an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft etabliert. Mit über 300 Veranstaltungen pro Jahr widmet sich das TRIANGEL mit seinen Partnern aus dem KIT, aus der Stadt und der Region insbesondere den Themen Wissenstransfer, Kreativität, Unternehmertum und Innovation. Viele der für die Öffentlichkeit zugänglichen Veranstaltungen finden auch auf dem nicht begrünten Kronenplatz statt, auf dem im Sommer Temperaturen bis zu 40 Grad herrschen können. Gemeinsam mit der Stadt Karlsruhe widmete sich das KIT der Lösung dieses Problems und startete ein Forschungsprojekt zur attraktiven und innovativen Gestaltung des Kronenplatzes.
Die Konstruktion
komorebi kombiniert eine zweistufige Sitzgelegenheit mit einem lichtfilternden Flachsfaserdach. Die Struktur erreicht eine Gesamthöhe von 4,6 m bei einer maximalen Spannweite von 7,6 m und gliedert sich in vier wesentliche Baugruppen: Stahlgründung, Stahlunterkonstruktion, Fasersegel und Holzstütze.

Da sich unter dem Kronenplatz eine Tiefgarage befindet, war eine Verankerung im Boden nicht möglich. Die Struktur steht stattdessen auf drei gewichteten Stahlblöcken, die so dimensioniert sind, dass sie die Lasten auf der Bodenplatte verteilen und ausreichend Ballast gegen Kippen oder Gleiten unter extremen Windlasten bieten. Die Stahlunterkonstruktion wurde als Baukastensystem konzipiert, das im Standard-Dreiachsen-Laserschneidverfahren gefertigt werden kann — dies reduzierte sowohl die Produktionskosten als auch den Montageaufwand vor Ort erheblich.
Das Segel besteht aus zwölf einzeln gefertigten Segmenten, die jeweils in einem robotischen Wickelverfahren hergestellt werden, bei dem Flachsfaserstränge additiv um Stahlrahmen gewickelt werden. Es entstehen leichte, materialeffiziente Tragwerkskomponenten. Die Holzstütze wurde aus fünf durchlaufenden Eschenlamellen — 80 mm breit und 8 mm stark — in einem flechtartigen Aufbau über sechs Achsen gefügt und mechanisch mithilfe von Holzschrauben laminiert. Auf Kunstklebstoffe wurde vollständig verzichtet, was eine vollständige Materialtrennung und Wiederverwertbarkeit am Lebensende gewährleistet. Die Geometrie der Stütze wurde während der Fertigung durch präzise CNC-gefräste Bolzenlochpositionen und Führungseinschnitte kodiert, sodass die gesamte Produktion mit Standard-Dreiachsen-Maschinen durchgeführt werden konnte.
Nachhaltige Innovation durch digitale Technologie
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einbindung digitaler Planungs- und Fertigungswerkzeuge über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg, die eine ressourcenschonende Herstellung ermöglichen, ohne dabei strukturelle Leistungsfähigkeit oder ästhetischen Anspruch zu beeinträchtigen. Die Struktur zeigt, wie biobasierte Materialien und computergestützte Entwurfsmethoden kombiniert werden können, um anpassungsfähige, rekonfigurierbare urbane Möbel zu schaffen, die den Anforderungen eines sich wandelnden Klimas gerecht werden.

Mobilität und Flexibilität
Dank der Schwerlasttransporteinheiten des KIT-Ausgründung FORMIC Transportsysteme GmbH kann komorebi frei auf dem Platz bewegt werden und bietet damit unbegrenzte Möglichkeiten zur Gestaltung des öffentlichen Raums. Die Jungfernfahrt fand im Dezember 2024 statt.
komorebi wird derzeit als Forschungsdemonstrator auf dem Kronenplatz erprobt, realisiert unter Mitwirkung von Architekturstudierenden des KIT, und ist Teil einer umfassenderen Forschungsagenda zu innovativen, nachhaltigen Tragwerkslösungen für urbane Außenräume.
Galerie






Projektbeteiligte
Professur Design of Structures (dos)
Prof. Dr.-Ing. Riccardo La Magna, David Andersson Largueche
Professur Digital Design and Fabrication (DDF)
TT-Prof. Moritz Dörstelmann
FORMIC Transportsysteme GmbH
Dr.-Ing. Maximilian Hochstein, Dr.-Ing. Benedikt Klee
FibR GmbH
Christian Dierk, Zirui Huang, Puree Srisuk, Nikolay Solovev
Studentische Unterstützung
Nicolò Giovannella, Paul Schäfer, Sven Spallek, Marco Tarrio Torres, Leon Vandreike
Mit freundlicher Unterstützung von
Triangel (Manuel Köcher, Korbinian Saur)
Innovation and Relations Management (Jens Fahrenberg)
Bereich 4 (Laura Bosch)
Schorn & Groh
Foto(s)
Tobias Wootton
Video
Daryoush Djavadi - media acht